PRODUKTSUCHE |
SHOP |
LOGIN |
FACEBOOK
|
AKTION Profitieren Sie von unserem Rabattsystem! ab einem Einkauf von:
- 80 Euro - 2% Rabatt
- 180Â Euro - 4% Rabatt
- 360Â Euro - 6% Rabatt
Der jeweilige Rabatt wird im Warenkorb automatisch von Ihrem Einkauf abgezogen. Dabei erfolgt der Versand in Österreich und Deutschland ab einem Bestellwert von 180 Euro kostenlos. Natürlich bieten wir dabei den vollen Service:
- 14 Tage Rückgabe und Umtausch
- kostenlose Rücksendung
- sichere & bequeme Bezahlung
- prompte Lieferung ab Lager
Mit den besten Grüssen, Ihr Alpintech-Team! |
Special Partner |
|
Sie sind hier: Know How > Grundlagen des Sportklettern

Basiswissen für SportklettererText: Emanuel Wassermann, Michael Wicky Grafiken: Atelier Guido Köhler & Co., Binningen Sportklettern erfreut sich grosser Beliebtheit, und dies in allen Spielformen: in den Kletterhallen, beim Bouldern, draussen im Klettergarten oder in den Bergen in so genannten «Plaisir»-Routen. Der Einstieg in diese Sportart erfolgt immer öfter über die Kletterhalle, in der manch einen die Faszination für das leichte Spiel mit der Schwerkraft packt. In dieser ersten Lernphase ist nicht das Erlernen spezieller Klettertechniken entscheidend, sondern eine solide Seil- und Sicherungstechnik. Ein Grossteil der Unfälle passiert in der Konstellation «Neuling sichert den ihn instruierenden Freund». Es empfiehlt sich deshalb unbedingt, zum Einstieg einen Kurs oder zumindest eine Instruktion zu besuchen und sich das nachfolgend präsentierte theoretische Basiswissen zu verinnerlichen. Danach kann und soll jedermann das Wissen über jene Varianten der Seil-, Sicherungs- und Klettertechnik ausbauen, die ihm am besten entsprechen. Das Klettern kann man nicht in der Theorie allein lernen, sondern nur Schritt für Schritt durch selbst gesammelte Erfahrungen, wobei man sich natürlich zuerst das grundlegende Wissen aneignen sollte, bevor man aufbricht. 
Sicherungstechnik beim Klettern in Hallen und KlettergärtenKlettergurt richtig anziehen Es gibt zahlreiche verschieden konstruierte Klettergurte, wobei der in Grafik 1 abgebildete Typ am gebräuchlichsten ist. Wichtig ist, dass man sich in der mitgelieferten Bedienungsanleitung informiert, wie der Klettergurt angelegt und korrekt geschlossen wird. Im Zweifelsfall hilft auch der Bergsport-Fachhändler, bei dem man das Produkt gekauft hat. Die Grösse muss passend sein – auch hier hilft der Fachhändler weiter. Wird der Klettergurt meist in der Halle oder bei warmen Temperaturen draussen verwendet, wählt man am besten einen Gurt mit fixen Beinschlaufen. Soll der Gurt jedoch mit verschieden dicken Bekleidungsschichten (zum Beispiel auch im Winter für Skitouren auf dem Gletscher oder im Sommer auf Hochtouren mit dicken Hosen) zum Einsatz kommen, sind verstellbare Beinschlaufen von Vorteil. Das Seil muss durch die richtigen Schlaufen eingebunden werden. Nie nur mit Schraubkarabiner (also ohne im Gurt eingebundenen Knoten) anseilen! 
 Die meistverwendeten Knoten Zum Klettern in der Halle genügen zwei Knoten: Der Achterknoten, mit dem sich der Kletterer anseilt, und der Halbmastwurf (oft auch in der abgekürzten Version HMS genannt), mit dem gesichert wird. Beim Achterknoten zum Anseilen (siehe Grafiken 2 bis 5) muss das Seilende mindestens zehn Zentimeter aus dem Knoten herausragen. Der Knoten muss an den einzelnen Seilsträngen stark angezogen werden. 
 Hängt sich der Kletterer in das Seil oder stürzt er, so kann die sichernde Person mit dem Halbmastwurf-Knoten HMS (Grafik 6) das Seil blockieren. Anstelle des HMS kann auch mit diversen Sicherungsgeräten gesichert werden, so zum Beispiel mit einem Tuber (Grafik 7) oder mit einem halbautomatischen Sicherungsgerät. Sicherungsgeräte nur mit Instruktion in der Halle oder im Klettergarten, nicht aber in Mehrseillängenrouten verwenden. Jedes hat seine Tücken und Gefahren, die man kennen muss! Der HMS-Knoten wird in einen speziellen, birnenförmigen Karabiner mit Sicherung eingehängt und verriegelt. Diese meist zuschraubbare Sicherung muss immer wieder kontrolliert werden, denn sie kann sich von selbst lösen. 
 Die Seilausgabe Beim HMS läuft das Seil auf der einen Seite zum Kletterer, auf der anderen Seite wird mit dem Bremsseil gesichert. Das Bremsseil darf nie losgelassen werden. Dazu kann es mit einer Hand festgehalten werden, oder die Hand kann gleichzeitig beide Seile umgreifen, was wegen der grösseren Reibung noch einfacher geht. Der HMS-Karabiner wird so eingehängt, dass der Verschluss gegenüber der Bremshandseite liegt. Braucht der Kletterer Seil, so wird das Bremsseil mit der einen Hand in den HMS geschoben und mit der anderen hinausgezogen (Grafik 8 und 9). 
 Ablassen des Seilpartners Hat der Kletterer das Ende der Route erreicht, so hängt er sich ins Seil und wird von der sichernden Person abgelassen. Wichtig ist, dass diese dabei das Bremsseil in beiden Händen hält. Falls es aus einer Hand springen würde, wäre noch die andere da. Es gibt für das Ablassen zwei gute Techniken: Grafik 10: Ein Rechtshänder drückt mit der linken Hand kurz oberhalb des HMS die beiden Seile zusammen und lässt das Seil langsam durch die Hände schleifen. Zur Sicherheit und zum Eingeben des Seils umfasst die rechte Hand lose das Bremsseil. Grafik 11: Das Bremsseil wird durch ein Übergreifen der beiden Hände von oben in den HMS gelassen. Dabei schleift das Seil nicht durch die Hände. Bei beiden Varianten wird das Bremsseil parallel geführt zum Seil, das zur Person führt, die abgelassen wird. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass das Bremsseil ungewollt den HMS-Karabiner aufdrückt. Zudem verhindert die parallele Seilführung die Krangelbildung im Seil. 
 Nie vergessen: Partnercheck! Wichtige sicherheitsrelevante Aktionen müssen überprüft werden. Bei Einsteigern drohen Fehler aus Unwissenheit, bei Fortgeschrittenen aus Routine. Vor jedem Start muss folgender Routinecheck gemacht werden:
- Die sichernde Person kontrolliert, ob der Kletterer richtig angeseilt ist. Istder Anseilgurt korrekt verschlossen und zugeschlauft? Ist der Achterknoten richtig geknüpft und durch die richtigen Schlaufen gezogen?
- In einem zweiten Schritt kontrolliert der Kletterer bei der sichernden Person, ob der Halbmastwurf richtig eingehängt ist, ob der Karabiner verriegelt und in der richtigen Schlaufe eingehängt ist und ob der Anseilgurt korrekt verschlossen und zugeschlauft ist.
- Zudem wird geprüft, ob das Seil genügend lang ist. Falls Zweifel bestehen, wird am einfachsten am Ende angeseilt oder das Seilende zumindest verknotet (Grafik 12).

 Die Aufgaben der sichernden Person Die sichernde Person steht nahe an der Wand unter der ersten Zwischensicherung, damit sie bei einem Sturz nicht unkontrolliert gegen die Wand gezogen wird. Bis die erste Zwischensicherung eingehängt ist, wird der Kletterer von der sichernden Person gespottet. Das heisst die Sichernde Person stellt sich so hin, dass sie den kletternden Partner im Falle eines Sturzes so manipulieren kann, dass er auf die Beine zu stehen kommt. Die sichernde Person ist darauf bedacht, dass wenig loses Seil ausgegeben ist. Sie reduziert damit die potenzielle Sturzhöhe. Das bedeutet, dass sie unter Umständen auch ab und zu wieder etwas Seil einziehen muss. Bis zum Einhängen des vierten Hakens ist diese Regel besonders sorgfältig zu beachten, denn bis dort ist ein Sturz des Vorsteigers bis zurück auf den Boden eher möglich. Klettert dieser eher schnell, so gibt die sichernde Person etwas mehr loses Seil aus. Insbesondere beim Einhängen von Zwischensicherungen muss schnell genügend Seil ausgegeben werden. Ist die Wand überhängend und genügend «Bodenfreiheit» vorhanden, so gibt die sichernde Person bei einem Sturz ein bisschen Seil aus oder springt auf. Der Sturz wird dadurch etwas sanfter abgebremst. Insbesondere beim Stürzen oberhalb eines Überhanges sollte die sichernde Person zusätzliches Seil ausgeben, damit der stürzende Kletterer nicht unglücklich an die Kante pendelt. Die sichernde Person sollte drei Viertel oder mehr des Gewichts des Kletterers wiegen. Darauf ist insbesondere beim Klettern mit Jugendlichen und Kindern zu achten. Tipp: Um etwas mehr Seilreibung zu haben, zusätzlich auch den ersten Haken der Nebenroute einhängen. Zwischensicherungen einhängen Klettert man im Vorstieg, so hängt man Zwischensicherungen ein und reduziert so die potenzielle Sturzhöhe immer wieder. Man spart Kraft, wenn man eine solche Zwischensicherung schnell anbringen kann. Es lohnt sich also, das Einhängen gut zu üben. Dabei müssen vier Varianten beherrscht werden: jeweils Karabineröffnung links und rechts und beides sowohl mit der linken als auch der rechten Hand (Grafik 13). Das vorne liegende Seil läuft dabei zum Kletterer; damit wird beim Weiterklettern die Expressschlinge nicht verdreht, und das Seil kann nicht aushängen. Ein Sturz während des Einhängens sollte vermieden werden, da das bereits hochgezogene Seil die Sturzhöhe enorm vergrössert. 
 Das Einhängen von Expressschlingen in die Haken Die beiden Karabiner werden so in das verbindende Band eingehängt, dass sich beide Karabiner auf dieselbe Seite öffnen. Das Seil kommt in den Karabiner mit dem runden oder leicht geknickten Öffnungssteg. Die Expressschlinge muss so eingehängt werden, dass sich beim Weiterklettern die Schlinge nicht verdrehen kann und dass die Karabiner so zu liegen kommen, dass ihre Öffnung nicht am Fels scheuert und aufgedrückt werden können. An Stellen, wo das Aushängen einer Expressschlinge einen fatalen Sturz zur Folge hätte, können entweder zwei Schlingen mit gegengleicher Karabineröffnung in denselben Haken eingehängt oder eine Expressschlinge mit Schraubkarabinern verwendet werden (Grafiken 14 bis 16). 
 Umlenken am Ende der Route In der Regel wird man im Klettergarten nach dem Durchstieg einer Route vom Sicherungspartner wieder zum Boden abgelassen. Dazu muss das Seil am Ende der Route umgelenkt werden. Die Umlenkung muss absolut zuverlässig sein. Folgende Punkte müssen beachtet werden: Sie muss aus zwei Fixpunkten bestehen oder sonst über alle Zweifel erhaben sein (eine Kette an einem dicken Baum würde z.B. auch genügen). Es darf nur durch Eisenteile umgelenkt werden, denn Seilstücke oder Bänder scheuern beim Ablassen fatalerweise durch. Das Seil nicht um die ganze Kette, sondern durch ein Kettenglied fädeln, damit es auch dann hängen bleibt, wenn ein Fixpunkt ausreissen sollte. Achtung: Ein Umlenkkarabiner kann durch Korrosion oder starkes Abschleifen geschwächt sein und muss deshalb unbedingt kontrolliert werden. Top-Rope-Klettern Zum Einüben einer Route oder aus Sicherheitsgründen werden Routen manchmal von oben gesichert geklettert. Dabei ist zu beachten, dass die Umlenkung verstärkt wird (Grafik 17). Ein ungesicherter Karabiner als Umlenkung reicht nie fürs Top-Rope-Klettern! Sie muss mit einem zusätzlichen Karabiner verstärkt werden, damit das Seil sicher nicht aushängen kann. Im Zweifelsfall wird die letzte Zwischensicherung der Route zusätzlich eingehängt. Es darf nur eine Umlenkung aus Metall verwendet werden. Würde das Seil direkt durch eine Schlinge zur Umlenkung gefädelt, würde diese beim Ablassen sofort durchschmelzen, und der Sturz bis zum Boden wäre unvermeidlich! Die Umlenkung darf nicht ausgehängt werden. Falls die Route vorher im Vorstieg begangen wurde und alle Expressschlingen hängen, kann es passieren, dass eine im Top Rope kletternde Person im Flow des Kletterns alle Expressschlingen der Reihe nach und am Schluss auch das Seil aus der Umlenkung aushängt, was natürlich ebenfalls zu einem lebensbedrohende Sturz führen könnte! Die gleiche Umlenkung darf nie für zwei verschiedene Seile gebraucht werden, weil das eine das andere durchscheuern könnte. Besonders in der Halle die Kollisionsgefahr mit Kletterern auf parallelen Routen im Auge behalten! Während des Kletterns die Gefahr einbeziehen, dass jemand in der Nähe stürzen könnte. 
 Richtiger Seilverlauf beim Vorsteiger Grundsätzlich sollte beim Vorsteigen das Seil nie hinter den Beinen durchlaufen, sondern immer vor oder zwischen den Beinen. Bei einem Sturz könnte sonst der Fuss im Seil hängen bleiben, und der stürzende Kletterer würde auf den Kopf gedreht! (Grafik 18) 

Klettern in abgesicherten MehrseillängenroutenVon Standplatz zu Standplatz Die Seilschaft bewegt sich von Standplatz zu Standplatz, indem jeweils der Seilschaftsführer gesichert als erster zum nächsten Standplatz klettert und dann den Seilpartner von oben nachsichert. Klettert man mit Doppelseil, so seilt man sich an jedem Seilstrang einzeln mit dem Achterknoten an. Den HMS-Knoten macht man direkt mit beiden Seilen zusammen. Vor dem Losklettern führt man wie im Klettergarten den Partnercheck durch. Der Sichernde ist am Stand «selbstgesichert». Dazu wird das Seil mittels Mastwurf und gesichertem Karabiner am Stand fixiert. Der Vorsteiger wird mittels Halbmastwurf (HMS) gesichert. Durch das Einhängen von Zwischensicherungen reduziert er seine potenzielle Sturzhöhe. Der Nachsteiger wird vom Seilpartner von oben mit HMS gesichert. Oft sieht man nicht von Standplatz zu Standplatz, und lange Wortwechsel versteht man bei Wind und über die Distanz einer Seillänge kaum. Deshalb muss die Kommunikation knapp und eindeutig sein. Eingeübte Seilschaften brauchen nur zwei Kommandos: «Stand» heisst «ich bin gesichert». «Kommen» (oder «Nachkommen ») heisst «ich sichere dich». Manche ersetzen diese Kommandos sogar durch Signale mittels Seilzug. Die volle Kommunikation besteht aus vier Kommandos:
- 1. Sobald der Vorsteiger am Stand ist und sich selbstgesicherthat, ruft er «Stand».
- 2. Der Nachsteiger löst daraufhin die HMS und ruft «Seilein».
- 3. Ist das restliche Seil eingezogen und der Nachsteigervom Vorsteiger mit der HMS gesichert, so ruft der Vorsteiger ihm «kommen» (oder «nachkommen») zu.
- 4. Der Nachsteiger darf nun seine Selbstsicherung lösenund den Stand abbauen. Bevor er mit Nachsteigen beginnt, ruft er «ich komme».
Standplatzbau Es gibt viele richtige Möglichkeiten, einen Standplatz zu bauen. Wichtig ist, dass er in jedem Fall hält. Deshalb besteht er in der Regel aus mindestens zwei guten Fixpunkten, die miteinander verbunden werden. Beim Einrichten eines Standplatzes macht es einen Unterschied, ob in der nächsten Seillänge wieder der gleiche Kletterer vorsteigt (auch «Raupen» genannt) oder ob abwechselnd vorgestiegen wird (Wechselführung, wechselnder Vorstieg, auch «Überschlagen» genannt). Wird «geraupt», werden die Karabiner für den Nachsteiger vorbereitet, damit der Standplatz einfacher übergeben werden kann.  Der Normalfall: Stand an zwei Bohrhaken Der Vorsteiger kommt an einen Stand mit zwei Bohrhaken (BH) und richtet diesen wie folgt ein: Am unteren BH fixiert er sich mittels Schraubkarabiner und Mastwurf. (Beim «Raupen» hängt er zwei Schraubkarabiner und den Mastwurf in den unteren ein. Er verbindet diesen mit dem Kletterseil zum oberen BH. Dazu hängt er eine Expressschlinge ein und den Mastwurf in den oberen (beim «Raupen » in den unteren) Karabiner der Expressschlinge. Beim unteren BH wird der HMS-Karabiner in den Schraubkarabiner eingehängt. Danach ruft der Vorsteiger «Stand», zieht das restliche Seil ein und sichert den Nachsteiger im vorbereiteten HMS-Karabiner. Kommt der Nachsteiger beim Stand an, sichert er sich zuerst selbst. (Beim «Raupen» sichert er sich dabei am vorbereiteten Schraubkarabiner mittels Mastwurf und verbindet diesen mit dem Seil zum oberen BH. Dazu hängt er den Mastwurf in den freien oberen Karabiner der Expressschlinge.) Der Vorsteiger übernimmt danach das Material für die nächste Seillänge (Grafiken 19 und 20). 
 Stand an einem BH und einem anderen Fixpunkt Befindet sich nur ein BH am Stand, so wird dieser mit mindestens einer zusätzlichen Sicherung verstärkt. Dies kann ein geschlagener Haken, eine Zackenschlinge, ein Klemmkeil oder ein Klemmgerät sein. Die Selbstsicherung und HMS werden immer am untersten Fixpunkt angebracht, auch wenn dies nicht der BH sein sollte. Achtung: Die erste Zwischensicherung darf in diesem Fall nicht am Stand eingehängt werden. Oft ist es besser, in diesem Fall den Vorsteiger, direkt am Stand und nicht am Körper zu sichern. Stand an einem einzigen guten Fixpunkt Ein einziger Fixpunkt ist die Ausnahme und genügt nur, wenn er sehr stabil ist wie z.B. ein dicker Baum oder ein stabiler Felszacken. Kann man ohne grossen Aufwand einen weiteren Fixpunkt einbeziehen, so sollte man dies unbedingt tun. Sind keine Bohrhaken oder stabilen Zacken vorhanden, wird der Standplatz an verschiedenen improvisierten Fixpunkten gebaut. Nicht überall ist die Felsstruktur für das Bauen eines improvisierten Standes günstig. Als erstes gilt es deshalb, einen geeigneten Platz zu finden. Das heisst: Nicht erst mit dem Suchen nach einem möglichen Standplatz beginnen, wenn das Seil schon ganz ausgegeben ist! Es sollten mindestens zwei Fixpunkte miteinander verbunden und an einem zentralen Karabiner zusammengeführt werden (Grafik 21). Der Belastungswinkel sollte kleiner als 90 Grad sein. Die erste Zwischensicherung darf nicht im Stand eingehängt werden. Der Vorsteiger wird besser im Stand als am Körper gesichert. Ist der Vorsteiger deutlich schwerer oder sind grosse Stürze nicht auszuschliessen, so macht es Sinn, eine zusätzliche Sicherung einzubauen, die nach oben hält. 
 Fixpunkte Die Erstbegeher einer Route bestimmen auch die Art ihrer Absicherung – manchmal wird diese im Rahmen einer Sanierung ergänzt und/oder erneuert. In der Regel werden bei der Erstbegehung an den Standplätzen und als Zwischensicherungen Bohrhaken zurückgelassen. In älteren Routen wurden in Risse geschlagene Haken eingesetzt. Manchmal muss der Kletterer selber zusätzliche Zwischensicherungen wie Zackenschlingen, Keile oder Klemmgeräte anbringen oder damit einen Stand verstärken. Der Nachsteiger «räumt» diese Zwischensicherungen wieder aus. Welches und wie viel Material für eine Route mitgenommen werden muss, steht meist im Kletterführer. Bohrhaken Bohrhaken werden in ein vorgebohrtes Loch geklebt oder geschraubt und halten in der Regel über 20 kN. Vorsicht ist bei älteren Haken geboten. Insbesondere dann, wenn sie sehr dünn oder angerostet sind. Bei schlechtem Fels kann der Fels um den Haken ausbrechen, vor allem wenn der Fels bereits Risse aufweist oder die Haken nahe an Kanten und Rissen gesetzt wurden. Geschlagene Haken Die Haltekraft eines geschlagenen Hakens ist auch für Profis schwer abzuschätzen. Misstrauen ist angebracht! Trotzdem werden sie natürlich eingehängt. 
 Mobile Zwischensicherungen Was früher Hammer und Haken waren, sind heute Keile und Klemmgeräte. Richtig angebracht, halten sie einen Sturz problemlos. Wenn Sicherungen aus der Kletterposition heraus angebracht werden müssen, macht das eine Route einerseits anspruchsvoller, andererseits aber auch interessanter. Schlingen, Klemmgeräte und Keile können durch die Seilbewegung aus der idealen Position rutschen. Verlängerte Expressschlingen helfen, dies zu verhindern. Wegen der Reibung und dem potenziellen «Aushebeln» von Schlingen und Keilen ist auf eine möglichst geradlinige Seilführung zu achten. Ideale Platzierungsmöglichkeiten für mobile Zwischensicherungen sollten gesucht werden, bevor man sie unbedingt benötigt. Klettern in der Dreierseilschaft Zum Klettern in der Dreierseilschaft benutzt man idealerweise ein Doppelseil. Die beiden Nachsteiger werden je an einem Halbseilstrang mit einem speziellen Sicherungsgerät (z.B. mit dem «ATC Guide», dem «Reverso» oder der «New Alp»-Platte) nachgesichert. Weil das Sicherungsgerät im Fall eines Sturzes selbsttätig blockiert, muss die sichernde Person die Seile nicht immer voll in der Hand halten und kann deshalb jeden der beiden Nachsteiger individuell sichern. Diese Technik ist nur mit dem Halbseil, nicht aber mit Zwillingsseilen erlaubt. Der vordere Nachsteiger belässt in Quergängen die Zwischensicherungen, damit der hintere Nachsteiger bei einem Sturz nicht zu weit pendelt. Abseilen Oft wird über Mehrseillängenrouten abgeseilt. Das ist bequemer, und die Wanderschuhe für den Zu- und Abstieg können dabei erst noch am Einstieg zurückgelassen werden. Das Seil muss dabei immer doppelt geführt werden, damit es wieder abgezogen werden kann. Alle bereiten eine Selbstsicherungsschlinge vor (Grafik 26). Zusätzlich braucht jeder je eine Abseilbremse (z.B. Achter oder «ATC») und eine Prusikschlinge zur Selbstsicherung beim Abseilen. 
 Der Ablauf beim Abseilen Alle Personen sind immer mit der Selbstsicherungsschlinge («Nabelschnur») gesichert. Der Prusik-Knoten (Grafik 28) kann bereits eingeknüpft werden, während ein anderes Seilschaftsmitglied am Abseilen ist. Die nächste Person kann mit dem Abseilen beginnen, wenn die vor ihr abseilende Person am nächsten Stand angekommen, sich dort selbstgesichert und die Abseilvorrichtung gelöst hat. Dazu ist kein Rufen nötig: Die obere Person kann starten, sobald das Seil entlastet ist, was am Stand gut spürbar ist. Die nächste Person hängt die Abseilbremse ein (Grafik 29), macht den ABS-Check, hängt ihre Selbstsicherungsschlinge aus und seilt ab. 
 ABS-Check vor Start A für Anker: Hält der Stand? Ist das Seil richtig in die Verankerung eingeknüpft? B für Bremse: Ist das Abseilgerät richtig eingehängt und am Abseilgurt fixiert? Ist der Prusikknoten korrekt gemacht und eingehängt? S für Seilende: Reicht das Seil bis zum nächsten Standplatz? Falls das unsicher ist: Sind die Seilenden mit Knoten versehen? An welchem Seilstrang muss gezogen werden, um das Seil abzuziehen? Beim Abseilen Beim Abseilen halten beide Hände das Seil unterhalb des Abseilgerätes, die eine führt den Prusik mit. Eine Prusiksicherung wird immer gemacht. Sie blockiert sich, wenn die Hände das Seil nicht mehr halten können. Die erste Person, die abseilt, muss allenfalls ein hängen gebliebenes Seil neu auswerfen. Dabei achtet sie darauf, dass oberhalb von ihr kein loses Seil mehr ist; es könnte, wenn es sich verklemmt, von unten evtl. nicht mehr gelöst werden oder beim Herunterziehen Steinschlag auslösen. Achtung: Man sollte nie bis ganz ans Seilende abseilen. Sind dort keine Knoten, rutschen die Seilenden allzu schnell durch die Bremse. Im Zweifelsfall immer Knoten in die Seilenden machen. Wenn nicht klar ist, wo der nächste Stand ist, führt man zusätzlich eine lange Reepschnur mit, um notfalls mit dem Prusik wieder am Seil aufsteigen zu können. 
Material für MehrseillängenroutenGrundausrüstung: – Rucksack – Wanderschuhe – Kletterhose – Regen-/Windjacke – Evtl. warme Kleidung – Gute Sonnenbrille – Sonnencrème/Lippenschutz, evtl. Sonnenhut – Geld/Ausweise – Getränk – Lunch – Evtl. Fotoapparat – Evtl. Feldstecher – Evtl. persönliche Medikamente – Evtl. Blasenpflaster Technisches Material: – Anseilgurt – 3–4 Schraubkarabiner, 2 davon birnenförmig – 1–3 Bandschlingen (Länge 120 cm, evtl. 60 cm) – Kletterfinken – Helm – Magnesia – Reepschnurstücke (4 m, Ø 6 mm und 1.20 m, Ø 6 mm) – Evtl. Abseilgerät – Evtl. Keile, Friends – Evtl. Pickel Pro Gruppe: – Seil, evtl. Doppel- oder Zwillingsseil – 8–13 Expressschlingen – Topo, Karte – Evtl. Kompass, Höhenmesser, GPS – Evtl. «ATC Guide», «Reverso oder «New Alpine»-Platte (für Dreierseilschaft) – Tourenapotheke mit Verbandsmaterial, Schmerzmitteln, Wärmefolie (Rettungsdecke) – Sackmesser – Handy und evtl. Funkgerät Für Hüttenübernachtung zusätzlich: – Stirn- oder Taschenlampe – Toilettenartikel – Evtl. Seidenschlafsack – Evtl. Ohropax – Evtl. Alpenvereinsausweis 
KlettertechnikDie häufige Aussage von Kletterern «ich habe zu wenig Kraft für diese Route» mag zwar ab und zu stimmen, oft wäre dieselbe Route jedoch mit gleicher Kraft, aber besserer Technik machbar. Das Ziel einer verbesserten Technik muss sein, einen Bewegungsablauf zu finden, der es erlaubt, eine Route bzw. eine Stelle mit weniger Kraft zu klettern. Je grösser das Bewegungsrepertoire, umso mehr Möglichkeiten hat man, eine schwierige Stelle zu meistern. Neue Bewegungsmuster lernt man am besten beim angstfreien Klettern, denn bei Stress greifen wir nur auf bekannte Bewegungsmuster zurück. Das Top-Rope-Klettern (von oben gesichert) oder Bouldern sind dafür besonders geeignet. Je nach Typ, Schichtung, Erosion und Neigung des Gesteins sind andere Klettertechniken gefragt. Man unterscheidet grob: Reibungskletterei, Trittkletterei, Risskletterei, überhängende Kletterei und Klettern an künstlichen Wänden. Ein Hallenkletterer, der das erste Mal in natürlichem Fels klettert, wird sich angewöhnen müssen und wird zu Beginn nicht die gleichen Schwierigkeiten meistern wie in der Halle. Antreten Meist wird den Griffen viel mehr Beachtung geschenkt als den Tritten, was eigentlich falsch ist, weil die Füsse ja in der Regel einen grösseren Anteil des Körpergewichtes tragen. Es lohnt sich immer wieder, bewusst die Aufmerksamkeit auf die Füsse zu lenken. Fast jeder Kletterer kann eine Geschichte davon erzählen, wie eine Schlüsselstelle, die unmöglich erschien, mit der richtigen Platzierung der Füsse plötzlich machbar wurde. Je mehr Gewicht auf den Füssen ist, desto weniger lastet auf den Armen. In flachem bis senkrechtem Gelände sind eher kleine Schritte zu nehmen, damit die Arme weniger Gewicht hochziehen müssen (Grafiken 30 und 31). 
 Übungen zum Antreten Roboterklettern: Beim Bouldern werden dem Kletterer die Tritte (und evtl. auch die Griffe) gezeigt, die er brauchen muss. So können verschiedene Varianten ausprobiert werden. Variationsmöglichkeiten: Besonders darauf achten, dass ein Tritt präzise angetreten wird, sonst den Trittwechsel wiederholen. In flachem Gelände zwischendurch versuchen, hinter dem Rücken zu klatschen. Es kann auch ein Boulderquergang oder eine Route mehrmals auf eine andere Art geklettert werden: Ohne Einschränkung, nur mit Aussenrist, nur mit der Fussspitze, nur Innenrist, mit kleinen oder ganz grossen Schritten, falls es plattig ist, nur mit einer Hand oder nur mit einem Finger für das Gleichgewicht usw. Weiters kann eine Route im Top Rope geklettert werden, indem die Füsse in einem Abstand von 30 bis 50 cm zusammengebunden sind, so dass nur noch kleine Schritte möglich sind. Greifen Beim Klettern werden Griffe nicht nur nach unten belastet – auch mit Seit-, Zangen-, Stütz- und Untergriffen kann manche Kletterstelle elegant gelöst werden (Grafiken 32 bis 37. Ziel dabei ist es, möglichst «weich» zu greifen, das heisst, Griffe nur so stark halten, wie unbedingt nötig. Oft klammert man sich aus Angst unnötig stark fest, was zusätzlich Kraft kostet und Muskelverkrampfungen verursacht. Die Finger sind anfällig auf Verletzungen. Am effektivsten kann dies vermieden werden durch Aufwärmen und langsames Steigern der Belastung, kontrolliertes Greifen (z.B. bei Dynamos Aufmerksamkeit auf die Hand, die hält) und man bei aufgestellten oder verdrehten Fingern besonders vorsichtig ist. Hier sind nämlich die Belastungen besonders hoch. 

 Körperschwerpunkt kontrollieren Der Körperschwerpunkt (kurz KSP) des Menschen befindet sich in etwa beim Bauchnabel. Wie das Gewicht auf Hände und Füsse verteilt ist, hängt im Wesentlichen von der Lage des KSP ab. Ideal ist, wenn er sich möglichst senkrecht über den Standflächen befindet (Grafik 39). Um die Kontrolle des KSP zu üben kann man am Klettergurt ein Pendel (z.B. Kette aus drei Expressschlingen) vorne am Anseilpunkt befestigen. Das Pendel veranschaulicht, wohin der KSP zeigt. Danach kann man mit dem Fuss vor jedem Tritt drei Sekunden verharren und möglichst versuchen, den KSP über die Füsse zu verlagern. 
 Weitergreifen in steilem Gelände In senkrechtem und überhängendem Gelände ist es wichtig, dass das Weitergreifen möglichst schnell und präzise vonstatten geht, weil dabei für eine kurze Zeit das Gewicht und die Balance nur von einer Hand gehalten werden müssen. Bei einem Kletterzug werden grob drei Phasen unterschieden: Vorbereitung, Verschiebung des KSP und Greifphase (Grafiken 40 bis 42). 
 Dynamisch klettern Werden die Phasen der Verschiebung des KSP und des Greifens schnell ausgeführt, so spricht man von dynamischem Klettern. Dies wird vor allem dann angewendet, wenn der nächste Griff weit weg ist und eine Hand das ganze Gewicht nicht oder nur ganz kurz in der höchsten Position alleine zu halten vermag. Wichtig ist dabei, dass der KSP im Moment des Greifens ganz nahe an der Wand ist. Die Konzentration gilt speziell der Hand, die hält. Spezialtechniken Piazen: Auch Dülfer- oder Gegendrucktechnik genannt. Die Piaztechnik wird angewendet, um Kanten, Schuppen oder steile Risse zu erklettern und braucht sehr viel Kraft. Sie wird deshalb in der Regel nur für kurze Stellen angewendet, dann nämlich, wenn Füsse und Hände nicht im Riss verklemmt werden können (Grafik 43). 
 Mit den Füssen ziehen: In Überhängen kann viel Gewicht von den Händen genommen werden, indem ein Fuss auf Kopfhöhe «eingehängt» wird (Grafik 44). Man kann sich auch mit den Füssen zur Seite ziehen (Grafik 45) 
 Kraftsparend klettern Setzt man die optimale Bewegung und Griffabfolge ein, so braucht eine Schlüsselstelle am wenigsten Kraft. Was aber, wenn man schon ausgepowert zur Schlüsselstelle kommt? Es hilft, auch in einfacheren Passagen Kraft sparend zu klettern und Ruhepositionen zu nutzen. Tipps: Planen von Ruheposition zu Ruheposition – so können die Passagen dazwischen zügig durchstiegen werden. Insbesondere in der Halle merkt man sich, mit welcher Hand welcher Griff genommen wird. Auch in steilem Gelände können Ruhepositionen bewusst gesucht und ausgenutzt werden. In steilen Passagen sind die Arme in der Vorbereitungsphase gestreckt. Jedes Fingerglied wird von einem anderen Muskel gebeugt. Diese Tatsache nutzt man aus, indem man gewisse Muskeln für die Schlüsselstelle schont oder umgekehrt im Training eine Passage mit immer den gleich grossen Griffen klettert und so gewisse Muskeln trainiert. Es können auch bewusst Daumen und Handgelenk eingesetzt werden, um so die üblichen Handmuskeln zu schonen. Wer «weich» greift, das heisst, nur so fest zupackt wie unbedingt nötig ist, schont die Muskulatur. In flachem bis senkrechtem Gelände sollte man darauf achten, dass in der Phase der Verschiebung des KSP beide Füsse gesetzt sind, damit beide Beine stossen können. In weniger steilem Gelände sind möglichst kleine Schritte zu machen. In Ruhepositionen bzw. an grossen Griffen die Arme bewusst schütteln, damit sich Verkrampfungen lösen und die Arme gut durchblutet werden. Dazu zuerst eine kraftsparende Position suchen: Haltearm gestreckt, die Füsse optimal platziert. Dann den Arm nach unten fallen lassen; darauf achten, dass kein Armmuskel angespannt ist. Nun die Schultermuskulatur so bewegen, dass man den Arm locker schütteln kann. 
 die Autoren Emanuel Wassermann und Michael Wicky sind Bergführer mit eidgenössischem Fachausweis. Sie sind als Klassenlehrer in der Bergführerausbildung tätig, arbeiten als Gutachter bei Bergunfällen und sind Gründer und Leiter des Zentrums für Alpinausbildung «Bergpunkt». Die beiden Spezialisten sind Autoren verschiedener Fachartikel zu diversen Alpinismus-Themen und haben das Buch «Lawinen und Risikomanagement» für Touren mit Ski, Snowboard und Schneeschuhen verfasst. Bergpunkt bietet ein umfangreiches Ausbildungs- und Tourenprogramm (unter anderem natürlich auch Lawinenkurse). Mehr Informationen dazu unter: www.bergpunkt.ch, info@bergpunkt.ch, Telefon 031 832 04 06
|
|